Pokalfinale

Ab vom Schuss - VfL Chaos 2003

"Pokalfinale! Das ist schon crazy. Ich kann also nur gewinnen."

Manager Schober war am Ende einer traumhaft verlaufenen Saison von seiner sensationellen Endspielteilnahme total euphorisiert und hatte seine Spieler entsprechend heiß gemacht, während Meistercoach Neumann, der in der 29. Saison schon mal ein Endspiel verloren hatte, in dieser Begegnung "business as usual" praktizierte und ganz cool noch eine Fremdqualifikation bei einem seiner Leistungsträger komplettierte. Der neue Erstligameister hatte sein Team in dieser Saison durch zwei Stareinkäufe für zusammen über 5 Millionen Kujambel bis zum Anschlag hochgerüstet, während sein Gegner aus der 2. Liga A mit einem negativen Kontostand in diese Saison gestartet war und mit Waldwuffel lediglich einen Schnäppchenkauf in Runde 6 finanzieren konnte. Einseitiger hätte die Ausgangslage also nicht sein können.

Nach dem Motto "Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie" überlegte sich der Außenseiter, wie er in der Rolle seines Gegenüber denken, fühlen und folglich aufstellen würde, wählte konsequent die optimale Gegentaktik - und hatte damit einen Volltreffer gelandet! Beide Teams neutralisierten einander über weite Strecken, Strafraumszenen waren auf beiden Seiten Mangelware, und wann immer der Zweitligist in die Nähe des gegnerischen Tores vorstoßen wollte, bliesen ihm gewaltige Sturmböen ins Gesicht - der überragende Ausputzer des Favoriten war an diesem Tag in Bestform.

Und er war nicht der einzige. Den Spielaufbau des VfL hatte der Zweitligist durch seine Taktik wirkungsvoll unterbunden, aber gegen vereinzelte Standardsituationen oder Weitschüsse war er nicht immun. Und gleich die erste Möglichkeit des VfL konnte Dieselfahrverbote Mitte der ersten Halbzeit zum Führungstreffer verwerten. Die Abschüssigen schüttelten sich kurz, dann spielten und kämpften sie weiter. Zwei Minuten vor der Pause dann die zweite Gelegenheit für den VfL - und Pflegesystem nutzte auch diese gnadenlos aus, um die Führung des Handelswertriesen auszubauen. Der Versuch der gegnerischen Abwehr, den Torabschluss aus der Distanz noch durch ein Foulspiel zu verhindern, war zu spät gekommen.

In der zweiten Halbzeit hatte der Underdog dann sogar etwas mehr vom Spiel. Der VfL besaß seinerseits nur noch eine einzige aussichtsreiche Kontergelegenheit, welche von Waldwuffel durch ein taktisches Foul im Keim erstickt wurde, was diesem die einzige Gelbe Karte in dieser Begegnung einbrachte. Ansonsten machte der Favorit die Räume eng, spielte im eigenen Ballbesitz die Uhr herunter und kam nicht mehr in Gefahr, den auch ohne seine überragende Effektivität insgesamt verdienten Sieg noch zu verspielen - die wenigen strukturiert vorgetragenen Angriffe des Gegners verpufften wirkungslos.

Damit haben die Chaoten in ihrer ersten Saison nach dem Aufstieg das Double abgeräumt - als vierter Verein in der Geschichte dieses Ligasystems (nach dem SV Comixense, den Kraichgau Rangers und zwei Mal Halifax Heroes). Zudem stellt der Verein mit Pollenflug einen der beiden Torschützenkönige des Oberhauses. In 28 Saisonspielen hat der VfL 16 Siege und 10 Remis bei nur zwei Niederlagen eingefahren - und vor allem seinen Vorsprung in Sachen Handelswert im Wesentlichen beibehalten. Da könnten in den kommenden Jahren noch weitere Trophäen in seiner Preziosenkammer landen.

Ab vom Schuss hat sich jedoch teuer verkauft und war in diesem Endspiel ein würdiger Gegner: Das Erreichen des Elfmeterschießens sah wesentlich machbarer aus als das Erzielen eines Treffers aus dem Spielverlauf heraus. Und in Sachen Handelswert wird man in der nächsten Saison eine ganz andere Ausgangslage vorfinden als in den Jahren zuvor.